Baubericht Schaarhörn für das Forum schiffsmodell.net                                                        

Teil 1

Der Maßstab 1:87 ist im Schiffsmodellbau eher ungewöhnlich, besonders bei Vorbildern aus dem 19ten und beginnenden 20ten Jahrhundert. Da für mich aber alles zur Modellbahn passen muss, ist die Auswahl eher gering. Neben den Modellen von Artitec und Collecta fielen mir noch zwei sehr ordentliche russische Modelle, allerdings im Maßstab 1:100 auf.  Darüber hinaus, gilt es selbst zu bauen. 
Warum die Schaarhörn, möchte  ich nur soweit begründen, daß dieses Schiff im Modell noch eine vernünftige Größe hat und das sie ein richtig nobel aussehendes Dampfschiff ist.   
Als Baugrundlagen gibt es das wunderbare Buch von Joachim Kaiser mit Originalzeichnungen, sehr ordentliche Pläne von Lothar Wischmeyer  und ein Papiermodell von Moduni, das bei den Abwicklungen schon mal ganz hilfreich ist.
 
Etwas Erfahrung mit den Möglichkeiten, die mit dem Einzug der Laserschnitt- und Lasergravurtechnik in den Modellbau einzog, hatte ich schon gewonnen. Hausfassaden und Schwellenroste für die Bahngleise hatte ich mir schon machen lassen und wusste wie die Zeichnungen erstellt werden müssen. Zwischenzeitlich gibt es auch eine vektor-orientierte Schnitttechnik mit der sehr schöne Kurvenverläufe erstellt werden können.

Messingätztechnik (Neusilber) und den Abguss von Urmodellen in Messing hatte ich für meine anderen Modelle verwendet. Es lag also nahe diese Möglichkeiten für den Bau der Schaarhörn zu kombinieren.

Ich habe vor Jahren, als ein verwendbarer Film noch etwa 500,00 DM kostete, mit Messingätzungen etwas herumexperimentiert und ein wenig in Zinn gegossen, finde aber, das der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht. Professionelle Belichter bieten heute Ausbelichtungen von Coraldateien ganz preiswert an und erreichen eine Passgenauigkeit  die man auf einem Drucker nicht erzielen kann.

Ähnliches gilt für den Messingguss, der heute z.B. ohne markante Gussnähte auskommt.

Im Endeffekt habe ich diese Seiten des Hobbys wieder aufgegeben, weil nicht wirklich erfolgreich und auch nicht billiger, und weil mit der Entsorgung der Verbrauchsmaterialien heute ein sehr teurer und aufwendiger Schritt verbunden ist.

Diese Tätigkeiten gebe ich also lieber bei Profis in Auftrag und beschränke mich auf den zeichnerischen Entwurf und den Bau, und natürlich auf die Recherchen im Vorfeld. Ähnlich verfahre ich bei Arbeiten, die einen spezialisierten Maschinenpark verlangen. Man muss nicht alles selber machen.

Soweit zum Prinzip meiner Arbeitsweise.

Bis jetzt habe ich Kiel- und Spanten und das Hauptdeck gezeichnet und davon Lasercuts in 2 bzw. 1 mm Sperrholz machen lassen.  Alle Unterlagen wurden im Copyshop auf 1 : 87 vergrößert oder verkleinert und dienten so als Baugrundlage. Die Zeichnungen für die Spanten und das Hauptdeck wurden in CoralDraw 8 über Scans der Pläne gezeichnet. Als Anhaltspunkte dienten hierbei die Spantenrisse, der Kielriss

und ganz besonders die mittlere und die äußere Deckslinie, wie in den nachfolgenden Bildern ersichtlich.
 
Auf diese Weise entstanden Zeichnungen für den Lasercut. Die Spanten  und Deck und Gräting getrennt, wegen der unterschiedlichen Materialstärken.
        
Rote Linien bedeuten ‚Schnitt’, das Material wird also durchtrennt. Schwarze Linien bedeuten ‚Gravur’, das Material wird auf etwa die halbe Stärke heruntergebrannt. Zurückgeliefert wurden mir Sperrholzplatten, die genau nach diesen Zeichnungen geschnittene Bauteile enthielten.

Teil des Kielriss, im Endeffekt  doppelseitig gespiegelt, weil ich die gravierte Linie als unterster Abschluss der Außenhaut auf beiden Seiten haben wollte. 

Teil der Spanten, anders als in den Plänen nummeriert, da ich im Mittelschiff noch einige zusätzliche eingefügt habe.    

Das Deck.

Anders als in allen Plänen, aber wie aus verschiedenen Fotos ersichtlich, habe ich sehr schmale Decksplanken gezeichnet. Die dunklen Flächen markieren Stellen im Deck an denen Metallteile (z.B. Mannlöcher) eingebaut sind. Der Kabinenumriss wurde ebenfalls vertieft angelegt um kleine Ungenauigkeiten bei der Erstellung der Decksaufbauten ausgleichen zu können. Weiter Aussparungen betreffen die vordere Kajüte, die Kettengänge und das Maschinendeck. Hier habe ich noch keine Einblicke in Anordnung und Art des Bodens. Wie aus den Abbildungen der Lasercuts ersichtlich haben Spanten und Kiel Aussparungen die gegenseitig ineinander greifen und so eine Montage erleichtern. Als Baugrund entstand eine Art Hellig um den Kiel zu fixieren und die Spanten auszurichten. Es waren nur geringen Korrekturen und Schmirgelarbeiten notwendig, weil bis auf einen Spant, der völlig verhunzt war, alles andere sehr genau passte. Hier noch ein paar Bilder vom derzeitigen Stand.

    

Das Hauptdeck, zur Probe leicht gebeizt

Das ganze Schiff, von der Seite

von Vorne

von Hinten

Gräting, noch nicht ausgelöst

Ausblick:  Notwendig ist jetzt erst einmal ein Besuch auf dem Schiff und eine Fotodokumentation. Z.B. habe ich keine Zeichnungen für die Ruderanlage gefunden, die liegt nämlich unter der achterlichen Gräting, und von alle anderen Details fehlen ebenfalls nachbaubare Ansichten. Für die Außenhaut muss ich Material und Methode finden, die einen wasserdichten Schiffsrumpf ergibt, bevor die Verkleidung mit genieteten Platten beginnt. Für die Reling, die Kabine und die Deckseinbauten werde ich wahrscheinlich Ätzbleche verwenden, wobei die Kabine noch eine innere Dekoration wieder aus Holz erhalten könnte.  Soweit erst mal dieses. Wird fortgesetzt.