Besonderes, Ausgefallenes, Ungewöhnliches und Unbekanntes bei Waggons der K.P.E.V.

Manches davon wird in den Musterblätten und Verordnungen so nicht gezeigt oder beschrieben.

 

Man kommt nicht umhin Bilder zu sammeln, wenn man sich mit den Gegebenheiten der Epoche I auseinandersetzt. Insbesondere die Schnittstelle Hafen ist im Modell nicht darstellbar ohne zeitgenössische Fotos. Dabei finden sich gelegentlich auch ganz spezielle Dinge, von denen ich hier einige darstelle. Ich hoffe diese sind von allgemeinem Interesse. Die mangeldne Qualität einiger Aufnahmen bitte ich zu entschuldigen.

 

Ausschnitt (Bildzitat) aus Peter Löffler, Die Eisenbahnen in Oldenburg

Offener Güterwagen mit 12,5 t Ladegewicht der Direktion Breslau und der Nummer 30896 (?).
Der Wagen steht an der Kaje in Brake. Man kann vier Doppeltüren erkennen, ein breites Mittelfach und schmalere Eckfächer je Seite und die Stirnklappen haben 3 statt der üblichen 4 Profile. Der Wagen hat preußische Achslager mit Spannbügel.
Schöner Wagentyp, aber ich kenne kein entsprechendes preußisches Musterblatt.
 
Ansichtskarte aus 1915

Vorne rechts ein Niederbordwagen der Direktion Halle mit der Gattungsbezeichnung Xy. Ähnlich einem Rungenwagen, aber eben ohne diese. Mein erster Bildbeleg für die Gattung X zu K.P.E.V.-Zeiten. Aber warten wir mal den neuen Band von Steffen Carstens ab.
Sehr schön auch die unterschiedlich hellen, verschmutzten Innenanstriche. Hier wird noch per Hand gebremst, wie die beiden Herren dokumentieren. Vielleicht interessant für Epoche I Freaks, denn es zeigt das zu jedem Bremserhaus auch ein Bremser gehört. Das Personal vieler Modellanlagen müsste drastisch vermehrt werden.
Das Nebengattungszeichen y bedeutet eigentlich, das der Waggon nur im Heimatbezirk verwendet werden durfte. Bajohren liegt aber in Ostpreußen an der Grenze zu Memel, etwa 1000 km entfernt. Aber in der Zeit war wohl  alles ein bischen anders.
Im Mittelgrund Verladungsbeispiele für Grubenholz.
Zu der Zeit fotografierten Fotografen noch alles was sie vor die Linse bekamen und was ihnen dokumentierwürdig erschien und machten daraus Postkarten. Offensichtlich gab es keinerlei Verbote.
 
Omk (pr. II d 3) - O Frankfurt

Nicht sehr gut zu erkennen, aber durch Achshalter und Trittstufe unter den Türen eindeutig zuzuordnen. Der Wagen hat Rungentaschen.
Was ihn von der ursprünglichen Ausführung unterscheidet sind die Spannbänder, die eigentlich erst in der 6. Auflage des Musterblatts auftreten. Ich vermute, das hier nachgerüstet wurde, allerdings schon noch zu K.P.E.V.-Zeiten.
 
Offenen Güterwagen O.R.K. nach Musterblatt pr II C 4 (Kohlewagen)

Abweichend vom Musterblatt zeigt der Wagen links im Anschnitt Achshalter nach MB  VI b 26 - schmale Fachwerkachshalter.
Wie ich finde, eine interessante Variante, macht das Bild doch deutlich, welchen Stellenwert den Musterblättern gelegentlich gegeben wurde. Es war demnach durchaus Usus vorhandene Bauteile aufzubrauchen, solange sie vorhanden waren.
 
G 02 (rechts) und G 10 (links) traulich vereint auf einer undatierten Postkarte

Hier sind beim G 10 die inneren zusätzlichen Lamellenlüfter interessant, eine Bauartvariante, die sich zwar in den Musterblättern findet, die aber nur kurzfristig so eingebaut wurden und die deshalb nicht sehr häufig in zeitgenössischen Aufnahmen belegt ist.
Beim G 02 finden sich als Besonderheit die Lamellen wie im Musterblatt II d 8, aber Türen, die noch dem Vorläufer II b 3 entsprechen. Und wir erkennen, das ab 1910 nicht radikal alle AchsHalter/lager auf die neue Verbandbauart umgestellt wurden.
 
Eisenbahnkatastrophen (diese etwa 1912) waren bei den Fotografen sehr beliebt und wurden gerne ausgiebig dokumentiert. Nicht immer so erfreulich wie die beteiligten Herren wohl finden und auch garnicht ungefährlich, wenn man den Zerstörungsgrad und die Positionen berücksichtigt.

Man erkennt ganz schön Materialstärken und Bauteildetails, besonders der Eckrungen und der Türverschlüsse. Für den engagierten Modellbauer recht interessant. Wichtig finde ich den O - Halle nach MB A 1 (O 10) der Direktion Hannover, in der Mitte fast senkrecht.
Offensichtlich rüstet diese Direktion ihre Waggons schon zu dieser Zeit ( etwa 1912) mit Zettelkästen aus - diagonales Gitter.
 
Ansichtskarte von <1907. Neumünster

Neben unterschiedlich geringelten, schräg stehenden Schrankenbäumen, sieht man hier einen sehr zierlichen Prellbock und zwei sehr alte Personenwagen. Der rechte entspricht wahrscheinlich dem AB nach Blatt 3 der ersten Normalien von 1878, der linke entspricht Blatt 5. Gänzlich unvermutet ist der hohe Bremsersitz. Wahrscheinlich ist der Wagen deutlich älter. Auffällig ist, das beide Wagen trotz ihres Alters von bis zu mehr als 30 Jahren in ordentlichem Zustand sind .
 
Ansichtskarte von 1914 -Auf dem Weg nach Rumänien-

Mittig und links zwei preußische Klappdeckelwagen unterschiedlichen Alters. Der Münster nach II d 4 von 1906, der Kattowitz ein älterer Vorgänger. Beide haben keine schwarzen Richtungsschilder. Rechts wieder ein Waggon mit Türen über den Achsen, also nicht mittig, aber vielleicht ist es ja kein Preuße.
 
Plettenberg 1903 Hochwasserprobleme

Schade, sehr schade. Interessant ist aber die innere Holzlattenverstärkung für die Profilbolzen an der Klappe.
 
Undatiert, nach 1906 - gemeint ist der Rungenwagen

Die Beschriftung der Rungen war gedacht, um genau das was hier passiert ist zu vermeiden. Nähmlich das diese von Wagen zu Wagen vertauscht wurden. Dennoch geschah genau das. Hier hat der Wagen Magdeburg eine einzelne Holzrunge eines Halle 70x34 ?

Ob das wohl jemals wieder rückgängig gemacht werden konnte?

 
Wird fortgesetzt wenn ich neue interessante Fotos finden.